Warum sucht ein Unternehmen seine Mitarbeiter über Personalberater?
Bei Bewerbungsgesprächen werden wir gelegentlich gefragt, warum das suchende Unternehmen sich eines Beraters bedient und nicht unter dem eigenen Namen an den Arbeitsmarkt geht. Es fallen sogar Sätze wie „auf Anzeigen von Personalberatern bewerbe ich mich nicht, da weiß man ja nie...!“. Dabei gibt es eine Reihe von Gründen, warum Unternehmen für Rekrutierungen Berater einschalten. Manchmal ist die notwendige Infrastruktur für eine professionelle Suche und Auswahl gar nicht vorhanden. Die Formulierung der Anzeige und die Auswahlgespräche werden vom zuständigen Fachvorgesetzten durchgeführt, die Vertragsgestaltung und die spätere Personalverwaltung werden von der kaufmännischen Abteilung (nebenbei?) mit erledigt. Nicht immer werden so alle Möglichkeiten, die der moderne Personalbeschaffungsmarkt heute bietet, ausgeschöpft. Es beginnt schon bei einer guten Bewerberverwaltung (sofortige Eingangsbestätigung, Zwischenbescheide) und endet bei der zeitnahen Absage, sobald eine Einscheidung getroffen ist. Bewerbungen wandern durchs Haus und sind irgendwann nicht mehr auffindbar. Einladungen und die damit verbundenen Terminabstimmungen für Bewerber-Gespräche können gelegentlich ein recht zeitaufwändiger Prozess sein. Gelegentlich soll es auch vorkommen, dass es noch einen Stelleninhaber gibt, der nicht erfahren soll, dass seine Stelle neu besetzt wird und das suchende Unternehmen erst dann das Gespräch über Trennung oder Versetzung führen möchte, wenn ein Nachfolger gefunden ist.
Es gibt jedoch Unternehmen, die, auch wenn ein Personalberater eingeschaltet ist, ihren Namen bereits in der Anzeige nennen lassen. Hier steht eindeutig im Vordergrund, dass der Auftraggeber die Erfahrung des Beraters beim Auswahlprozess nutzen möchte.
Welche Vorteile bietet das Zwischenschalten eines Personalberaters für den Bewerber? Gerade wenn der Berater schon länger mit dem Unternehmen zusammen arbeitet, kennt er seinen Klienten, es hat sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt. Und er hat im Laufe der Jahre ein Gefühl dafür bekommen, wer in dieses Unternehmen passt und wer nicht. Gerade erfolgreiche Mittelständler sind gelegentlich im positiven Sinne eigenwillige Persönlichkeiten. Es spart mitunter viel Zeit und auf Seiten des Kandidaten Frustration, wenn der Berater in einem offen geführten Erstgespräch, an dem in der Regel der Auftraggeber nicht teilnimmt, die Vor- und Nachteile von Firma und Stelle ehrlich nennt. Ein guter Personalberater sieht sich als „ehrlichen Makler“, der großes Interesse daran hat, dass die Person, die eingestellt wird, auch zum Unternehmen passt und dort bleibt. Denn dies hat wieder entscheidenden Einfluss auf das genannte Vertrauensverhältnis zwischen Unternehmen und Berater.
Gelegentlich ist der Berater auch als Kenner des Arbeitsmarktes gefragt. Er kann dem Kandidaten klar machen, dass seine Gehaltsvorstellung überzogen ist, er kann aber auch dem Unternehmen aufzeigen, dass für das vorgesehene Gehalt kein qualifizierter Bewerber zu bekommen ist. Auch spielt die „Makler“-Funktion wieder eine Rolle.
Nicht zu unterschätzen ist die Möglichkeit, beim Berater ein Vorstellungsgespräch zu trainieren. Häufig werden wir nach dem Gespräch nach Feedback gefragt, der Kandidat möchte wissen, was er anders oder besser machen könnte.
Und schließlich bietet der „Umweg“ über den Personalberater dem Kandidaten die Möglichkeit, diesen persönlich kennen zu lernen. Sollte die Stelle, auf die er sich zunächst beworben hat, aus irgend einem Grund nicht passen, ist ein weiteres Stück Netzwerk geschaffen. Dies kann bedeuten, dass der Berater sich an den Bewerber erinnert, wenn er eine andere, vielleicht passendere Position zu besetzen hat. Viele Stellensuchende überlassen uns bei einer Absage ihre Unterlagen mit der eindeutigen Bitte, sie bei einer anderen Besetzung zu berücksichtigen.
Fazit: Es spricht nichts dagegen, sich auf die Stellenanzeige eines Personalberaters zu melden, auch wenn man zunächst den Namen des eigentlich Suchenden nicht erfährt. Und wenn es nicht zu einer Einstellung kommt, dann man doch die genannten Vorteile „mitnehmen“.
Alfred Speth
Geschäftsführender Gesellschafter
